Ich habe Bäume gepflanzt, ich wähle Die Grünen!

Vor zwei Jahren habe ich im Garten insgesamt neun (sic!) Bäume gepflanzt. Kleine Apfelbäumchen, und soweit ich mich recht erinnere, auch einen, der irgendwann mal Pflaumen hervor bringen könnte. Sie sind noch immer klein, und da sich mein grüner Daumen ansonsten im Bereich zwischen “Kampf gegen das ganze Zeug, das bitte nicht so heftig wachsen soll” und “Kakteen nicht wegen Wassermangel eingehen zu lassen” bewegt, bleibt zweifelhaft, ob an den kleinen Apfelbäumchen jemals Früchte zu sehen sein werden. Aber dennoch habe ich diese Bäumchen gepflanzt, dennoch besteht auch der Vorgarten nicht aus einer Schotterpiste, und nach wie vor bin ich davon überzeugt, dass ein wenig Grün im Garten für die Natur gar keine so schlechte Idee ist.

Nicht zuletzt durfte ich die ersten Jahre meines Lebens in einer sehr grünen Umgebung verbringen, in der der nächste Wald quasi direkt hinter dem Haus begann, allenfalls getrennt durch einen Acker und ein paar Feldwege, die nicht minder grün waren. Auch eine solche Zeit prägt einen, vielleicht fällt einem mit den Jahren auch erst auf, wie wenig man sich mit dem Großstadtdschungel identifizieren kann. Auch wenn dieser durchaus seine eigenen Reize hat, als dauerhaften Lebensmittelpunkt könnte ich mir eher eine abgelegene Hütte neben Wald und Wiesen vorstellen (eine stabile Stromversorgung und schnellen Internet-Anschluss vorausgesetzt!) als etwa nichts Anderes als umbaute Luft im dreiundzwanzigsten Stock eines “Residential Towers” mit “Rooftop Garden”, “First-Class-Concierge-Service” und weiteren Buzzwords in urbaner Lage zu besitzen.

Nun gibt es eine Partei, die sogar die Farbe der Natur in ihrem Namen trägt. Wir kennen sie unter der Bezeichnung “Die Grünen“. Und sucht man mit der jeweiligen Lieblingssuchmaschine nach einer Verbindung zwischen Bäume pflanzen und den Grünen, wird man vielfältig fündig, von einzelnen Bäumen bis zu ganzen Pflanzaktionen, ob zur Verschönerung eines Stadtviertels oder direkt im Kampf gegen den globalen Klimawandel, ob alt, ob jung, sogar gegen Corona-Langeweile wird das Pflanzen von Bäumen angepriesen.

Mal so rein spaßeshalber eine Momentaufnahme der Anzahl der Suchergebnisse bei Google. Auch wenn sich inzwischen jede Partei mit Themen wie Nachhaltigkeit und Klimawandel beschäftigt, zeigt sich bei der Suche nach den Begriffen “<Partei> Bäume pflanzen” ein doch sehr eindeutiges Bild (Suchmaschine: Google, Land: Deutschland, Stand 25.04.2021):

Partei / Suchbegriff Anzahl Suchergebnisse
Die Grünen 33.600.000
CDU 3.390.000
SPD 3.400.000
FDP 908.000
Die Linke 659.000
AfD 606.000
Piratenpartei 82.900

 

Die Suchergebnisse bei “Die Linke” sind zugegebenermaßen sehr ungenau, da sich bei “Linke Bäume pflanzen” definitiv zu viel findet – selbst schuld, wenn man sich keine adäquate Drei-Buchstaben-Abkürzung ausdenkt. Auch bei den Grünen sind die Ergebnisse ungenauer als bei anderen, aber selbst wenn man die Anzahl der Ergebnisse halbieren würde, käme immer noch eine wesentlich höhere Summe heraus.

Somit scheint das Thema “Bäume pflanzen” fest in der Hand der Grünen zu sein, und genau das würde ich bei einer Partei, die wie keine andere für Umweltpolitik und Klimaschutz steht, letztlich auch erwarten.

Also – das Leben kann so einfach sein – ich habe Bäume gepflanzt, da muss ich doch Die Grünen wählen!

Oder umgekehrt  – Die Grünen würden es sicherlich sehr begrüßen, dass ich Bäume gepflanzt habe. Vielleicht halten es einige von ihnen sogar für ihre ureigenste Idee, oder könnten mich als Vorbild sehen, nach dem Motto, wenn jeder Bürger bzw. jede Bürgerin neun Bäume pflanzt, ergäbe das eine erkleckliche Anzahl von Bäumen, die vielleicht nicht den Klimawandel stoppen, aber zumindest einen positiven Beitrag leisten könnte. Zugegeben, diese Idee ist sehr weit hergeholt, vor allem bin ich alles andere als eine Person des öffentlichen Lebens, so dass von meiner “Pflanzaktion” wohl kaum ein Grünen-Politiker oder eine Politikerin der Grünen je erfahren wird. Aber nehmen wir einmal an, es wäre anders, und zwar in dem Sinne, dass sich lokale wie bundesweite Grünen-Prominenz zu meinen kleinen Apfelbäumchen äußert, diese Pflanzungen begrüßt, oder auch neudeutsch “Beifall spendet“.

Vielleicht kämen dadurch Leserinnen und Leser dieser theoretischen Worte des Lobes sogar auf die Idee, ich wäre so grün, dass ich bei der nächsten Wahl selbstverständlich “Die Grünen” ankreuze. Hatte ich schon erwähnt, dass ich sinnvolle Klimapolitik zwar für notwendig halte, aber mir wiederum andere Punkte aus dem Parteiprogramm der Grünen tatsächlich sehr missfallen, und dass diese ein Killerargument gegen das Setzen des Kreuzchens bei den Grünen sind? Und nun “applaudieren” mir ausgerechnet die Grünen in diesem theoretischen Szenario zu den kleinen Apfelbäumchen im Garten!

Da ich um keinen Preis mit den Grünen identifiziert werden möchte, oder mich sogar von ihnen vereinnahmt fühle, greife ich zur benzingetriebenen Kettensäge, metzle alle mühsam gepflanzten Bäume nieder, und nehme gleich noch im Rausch des Säge-Massakers ein paar viel zu grüne Sträucher mit. Und um die Öffentlichkeit zu überzeugen, lasse ich mich dabei filmen, kündige diesen Akt des Garten-Gräuels in allen sozialen und asozialen Medien an, schließlich soll niemand etwas Falsches von mir denken.

Ok, ich löse auf. Denn einerseits ist das absolute Theorie, andererseits wäre es totaler Unfug. Ob eine gewisse Personengruppe nun meine Pflanzaktionen begrüßt oder aber auch ablehnt, ändert nichts daran, dass ich die Bäumchen gepflanzt habe. Ich würde es jederzeit wieder tun. Ich mag Bäume. Punkt. Wer daraus eine wie auch immer geartete Parteipräferenz postuliert, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

Und wenn sich jemand positiv zum Pflanzen der Bäumchen äußern mag – bitte sehr! Deshalb gilt noch lange nicht der Umkehrschluss, soll heißen, dass ich in allen Aspekten derselben Meinung wie der- oder diejenige bin, oder gar, dass ich für die Ideen und Einstellungen derjenigen Personen wäre und für sie Partei ergreifen würde.

Und wenn die neun Bäumchen nicht durch den Klimawandel gestorben sind, dann blühen sie noch heute…

 

PS. Ich habe eine E-Kettensäge, akkugetrieben. Nicht, weil ich das unbedingt für besonders superduper umweltfreundlich halte, sondern weil ich das Hantieren mit brennbaren Flüssigkeiten wie Benzin schon an der Tankstelle furchtbar finde, weil mir deren Abgase zuwider sind, und weil ich meiner Umwelt und auch mir das Knattern von Benzinmotoren bei der Gartenarbeit einfach nicht antun möchte. Gilt übrigens auch für Rasenmäher und Rasentrimmer/Freischneider.

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Kategorie: Meinung