Piratenpartei, oder: Wie man in der Bedeutungslostigkeit verschwindet

Die Piratenpartei, mit der ich durchaus mal sympathisiert habe, macht mal wieder von sich reden. Da hat sie eine Seite zusammen gezimmert, mit der man Standard-Meldungen an die Lehrer-Melde-Seiten der AfD senden kann. Mit viel Reklame, etwa auf Facebook und Twitter, wird die eigene Seite und somit Meinung ins Volk gestreut – falls dieser Begriff hier ausnahmsweise erlaubt sei. Und damit nicht genug – anhand Statistiken wird der Erfolg der Seite gefeiert, diverse Medien und deren Persönlichkeiten greifen diese Meldungen auf, womit sich die Werbetrommel wieder weiter dreht.

Quelle: https://piratenpartei-bw.de/2018/10/13/hunderttausende-nutzer-bringen-meldeplattform-der-afd-zu-fall/

 

WTF?!?

Um es eindeutig zu sagen – ich halte diese Initiative der Piratenpartei, d.h. zu versuchen, die Meldeplattformen der AfD zu Fall zu bringen, für eine denkbar schlechte, um nicht zu sagen saudumme Idee.

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Und zwar aus folgenden Gründen:

1.

Die Piratenpartei-Seite möchte es dem Nutzer möglichst einfach machen. Daher bietet das Formular vorausgefüllte Meldungen an, die zusammen mit dem Namen der AfD-Politiker an die AfD-Plattform gesendet werden. Es ist somit technisch trivial, jene Standard-Meldungen zu filtern. Vielleicht meint die Piratenpartei, technisches Know-How für sich gepachtet zu haben, aber allein dies zeugt nur von übersteigerter Selbsteinschätzung. Falls hingegen die Absicht gewesen sein sollte, die AfD-Seiten lahm zu legen – hey, wir haben 2018, da weiß nicht nur Herr Thelen, was Skalierbarkeit ist. Vielleicht braucht die AfD diesbezüglich sogar noch ein wenig Nachhilfe, aber auch dafür wird sich jemand finden.

2.

Es ist Marketing. Reines Marketing. Und zwar nicht nur für sich selbst, d.h. die Piratenpartei – das wäre ja noch verständlich und nachvollziehbar. Aber die übermotivierten Piraten-Nerds scheinen vergessen zu haben, dass sie letztlich auch Marketing für die AfD betreiben. Vielleicht wären ein paar BWLer in Form von Marketing-Experten im Sinne einer Team Diversity hier anzuraten, denn bekanntlich sind heterogene Gruppierungen für komplexe Aufgabenstellungen besser geeignet als diejenigen, die nur von eindimensional agierenden Spezialisten besetzt sind.

3.

Der dritte und für mich wichtigste Punkt ist jedoch, dass sich die Piratenpartei schlicht und einfach auf eigene Politik und eigene Leistungen besinnen sollte, anstatt sich an parteifremder zu bedienen. Die AfD kann Erfolge feiern – das ist unumstritten. Ich will mich hier gar nicht zur Politik der AfD äußern oder etwa diese bewerten, denn das ist hier nicht das Thema. Ich will ebenso wenig über die Meldeplattformen urteilen, letztlich halte ich Denunziation in nahezu jeglicher Form für keine gute Idee und bin eher ein Freund davon, Unstimmigkeiten auf direkte Art und Weise zu klären. Ob die AfD-Seiten vielleicht sogar illegal sind, mögen die Juristen beantworten, ob Lehrer sich abfällig gegenüber der AfD äußern, kann ich ebenso wenig sagen – meine Schulzeit liegt dafür zu lange zurück.

Aber für mich wirkt es tatsächlich so, als sei die Piratenpartei mehr als neidisch auf die Erfolge der AfD, weshalb sie versucht, die AfD mit derart lachhaften Aktionen anzugreifen. Fast wäre ich geneigt, zu schreiben, dass das Motto “Was juckt es die deutsche Eiche wenn sich die Wildsau an ihr reibt?” hier lehrbuchreif erfüllt wird. Doch wollen wir mal nicht in Deutschtümelei verfallen…

Fakt ist, dass auch die Piratenpartei vor einigen Jahren Erfolge vorweisen konnte, die Piraten schienen einen gewissen Nerv der Zeit getroffen zu haben, was sich im Ergebnis einige Wahlen niederschlug – etwa erreichte sie bei der Landtagswahl NRW 2012 stolze 7,8%. Anschießend begann jedoch der vehemente Niedergang einer Partei, die ich zugegebenermaßen mehrfach gewählt hatte. Ich habe den fortschreitenden Verfall sogar ein wenig näher beobachtet, die Vorsitzenden und Mitglieder handelten nach dem Motto der Selbstzerfleischung, was nicht nur auf Parteitagen, sondern auf jeder Ebene, etwa auf (internen) Mailinglisten und Diskussionsplattformen stattgefunden hat. Und zwar herunter bis auf Kreisebene. Anstatt an einem Strang zu ziehen zerstörte sich die Piratenpartei von innen aus sich selbst heraus. Endlose Diskussionen über Nebenschauplätze forderten ihren Tribut, denn ganz so einfach war Politik dann anscheinend doch nicht, wie man es sich hinter seinem Desktop oder vielmehr MacBook Pro vorgestellt hatte.

Die Initiative der Piratenpartei halte ich daher für kontraproduktiv. Anstatt eigene Politik, eigene Thesen, eigene Leistungen usw. in den Vordergrund zu stellen und genau damit potenzielle Wähler zu finden, die sie vor einigen Jahren bereits motivieren konnte, vergreifen sich die Piraten an einer – wie auch immer zu wertenden – Initiative einer anderen Partei. Sie macht sich dabei letztlich sogar abhängig davon, stellt negative Aspekte in den Vordergrund, hält sich damit selbst auf, verschwendet Ressourcen, anstatt eigene Stärken und positive Aspekte zu betonen. Es scheint so, als wartet die Piratenpartei darauf, dass andere Leute bzw. in dem Fall eine Partei einen – aus Sicht der Piratenpartei – Fehler begeht, um diesen dann besonders hervorzuheben respektive ihre eigene Existenzberechtigung daraus zu ziehen.

Letztlich unterscheidet sich diese Art der Handlungsweise kein bisschen zu derjenigen, wie sie von anderer Seite propagiert wird – nur mit umgekehrtem Vorzeichen.

Die Mitgliederentwicklung spricht übrigens eine deutliche Sprache:

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Piratenpartei_Deutschland

 

Ebenfalls wird keine (eigene) Lösung angeboten, etwa Aufklärung, in diesem Fall etwa über Rechte und Pflichten von Lehrern, oder Materialien für die Unterrichtsgestaltung – man könnte doch im Unterricht beispielsweise ein offizielles Parteiprogramm hinterfragen, sowohl von AfD als auch der Piratenpartei, selbstverständlich auch von den großen Volksparteien, falls es diese noch gibt. Oder ein Formular bereitstellen, mit dem eine Schule einen Politiker “buchen” könnte, der im Rahmen des Unterrichts für Schülerfragen bereit stünde. Nach dem Motto – ihr anderen könnt zwar denunzieren, aber wir stellen uns kritisch der zukünftigen Wählergeneration! Oder, oder, oder…

Ich wette, dass auch den Piraten hier noch weitere Möglichkeiten einfallen würden als ein paar Zeilen gruseligsten PHP-Codes zusammen zu schustern (nehmt’s mir nicht übel, aber Programmieren kann ich das nicht nennen…), um nicht tatsächlich endgültig in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

Der Punkt ist letztlich, dass die Piratenpartei sich mit dieser Initiative destruktiv betätigt, was in meiner Sicht nahezu immer negative Konnotationen mit sich führt, anstatt mit gutem Beispiel voran zu gehen, positive Aspekte verstärkt, eine logische, konsequente und sinnvolle Argumentation erschafft und somit auf die Intelligenz ihrer potenziellen Wählerschaft und derer, die sie (wieder-)gewinnen will, setzt.

4.

Nur am Rande erwähnt halte ich den Aufruf bzw. die Initiative und die Bereitstellung der Tools, um eine fremde Seite mit Traffic zu fluten, für eine Art von Computersabotage. Zwar behaupten die Initiatoren, dass dies kein (D)DoS sei, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass einige Juristen diesbezüglich anderer Meinung sind. Also warum begibt sich die Piratenpartei auf ein derart dünnes Eis, warum setzt sie sich dieser Gefahr aus?

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Fazit

Es ist bedauerlich. Einfach nur bedauerlich. Dabei hatte die Piratenpartei durchaus ansprechende Ziele. Aber wieder einmal wird gezeigt, wie man sich selbst zerstören kann. Das kann die Piratenpartei jedenfalls perfekt, darin hat sie schließlich genug Übung.

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Kategorie: Politik