Plastiksteuer? Wie wäre es mit einer Grünensteuer?

Da springt mich heute Morgen doch wieder eine selten schöne Schlagzeile an: “Grüne fordern Plastiksteuer”. So macht man sich doch gleich wieder Freunde, nicht wahr, liebe Grüne? Ich gebe zu – irgendwann war ich auch mal grün. Ist aber lange her. Obwohl mir die Umwelt noch immer am Herzen liegt, jedoch nicht dank den Grünen. Aber wie wäre es denn einmal mit einer Grünensteuer? Schließlich zahlen Deutschlands Bürger ja noch nicht genug Steuern, oder? 

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger vom 27.08.2018

Und hauptsächlich bezieht sich Herr Hofreiter auf die “Verpackungsberge bei Obst und Gemüse in den Supermärkten“. Das wird sicherlich die Welt retten! Aber worum geht es eigentlich? Um die dünne Obsttüte, oder darum, dass Plastik – warum auch immer, dazu gleich noch mehr – im Meer landet?

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Natürlich gehört Plastik nicht ins Meer, oder in Flüsse, in Seen, auf Straßen, in Gärten, oder sonstwo einfach sorglos hin gekippt. Das dürfte doch klar sein, oder? Ab und wann trifft man auf Facebook, Twitter & Co. auf entsprechende Meldungen, denen ich sogar zustimmen kann. Die Lage ist schlimm, wenn sich am Strand anstatt Muscheln klein geriebener Plastikmüll befindet. Die Lage sieht nicht besser aus, wenn in einem dieser Text-Bild-Pseudo-Videos jemand auf Plastikflaschen liegt und zu herzzerreißender Musik eindringliche Texte eingeblendet werden, von wegen wie hoch der Plastikmüllberg mittlerweile sei. Aber was soll denn dieses fortwährende Lamentieren? Die wenigsten Posts respektive Artikel beschäftigen sich mit einer oder mehrerer etwaiger Lösungen des Problems. Warum zur Hölle ist das Plastik im Meer, warum ist es in den Flüssen? Statt dessen sonnen sich insbesondere hierzulande dann gerne Unternehmen im grünen Licht, wenn sie – wie z.B. Rewe – Plastiktüten anprangern und aus den Supermärkten verbannen. Oder mit wiederverwendbaren Stoff-Plastik-Sonstwas-Beuteln die Marketing-Trommel rühren, wie umweltfreundlich sie doch alle sind. Und so sollen wir das Obst und Gemüse dann bitte nicht mehr in diese extrem dünnen Plastikbeutel packen, sondern in irgend welche recht teuer verkauften Netze, die ebenfalls wiederverwendet werden können.

Problem Plastikbeutel oder Problem-Plastikbeutel?

Der kleine Plastikbeutel wird also verteufelt. Dabei sorgt er unter anderem dafür, dass der Rest des Einkaufs sauber bleibt, wenn man etwa die nachhaltigen Kohlrabi vom lokalen Erzeuger kauft, die immer mit ein wenig anhaftender Erde vertrieben werden. Oder anders herum – bei Äpfeln zum Beispiel – ich habe es eher ungerne, wenn die Schale, die ich selbstverständlich mitessen möchte, erst in Kontakt mit der Verpackung vom Waschmittel, Duschgel o.ä. kommt. Oder Gemüse, was gerne andere Gegenstände, aber auch Körperteile, insbesondere Fingernägel, einfärbt? So passiert es mir regelmäßig mit Zucchini, von denen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nur meine Hände grün würden, wenn ich sie nicht in den Plastikbeutel legen würde, sondern auch noch sämtliche anderen Einkäufe. Oder Zwetschgen, die ich zur Zeit gerne kaufe, soll ich sie einzeln in den Einkaufswagen legen und die Kassiererin wiegen lassen? Und was ist mit dem Obst in der Sechser- oder Vierer-Verkaufsverpackung? Oben Plastik, unten manchmal auch, manchmal inzwischen Pappe. Damit hätten wir noch mehr Müll ins Haus geholt. Ich bleibe dabei – solange es diese dünnen Beutelchen im Obst- und Gemüsebereich gibt, werde ich sie auch weiterhin einsetzen. Und warum wird eigentlich nur die Obst- und Gemüseabteilung angeprangert? Was ist mit dem Käse-“Papier”, was wirklich so heißt, aber aus mindestens zwei Schichten besteht, davon eine aus zweifelsohne sehr dünner Plastikfolie. Vor einiger Zeit gab es in meiner bevorzugten Käseabteilung ein Experiment mit Wachspapier. Hat sich wohl nicht durchgesetzt, inzwischen ist wieder das übliche Verbundmaterial dort zu finden. Aber Halt, ich kaufe ja meist Käse an der Käsetheke anstatt in viel zu dicken Plastik-Verkaufsverpackungen. Bei einigen Sorten wird jedoch eine dünne Plastikfolie zwischen die einzelnen Scheiben gelegt. Könnte man nicht darauf auch noch verzichten? Natürlich, doch dann könnte ich gleich den Käse am Stück kaufen, da alles aneinander klebt.

Ganz anders bei den (früher?) an der Kasse erhältlichen Plastikbeuteln, in denen die Einkäufe platziert werden können, um sie nach Hause zu tragen oder per Diesel-Muttipanzer 300m mit fünf Ampelstopps und zwischendurch ausgeführter Formel-1-Beschleunigung durch den Großstadtdschungel zu kurven. Meines Erachtens sollten derartige Plastiktüten nur in Notfällen gekauft werden. Notfall heißt – vielleicht einmal pro Jahr. Ich meine – man weiß doch, dass man einkaufen geht. Und selbst, wenn nicht, was spricht dagegen, einfach immer einen Jute- oder ähnlichen Beutel in der Jacken- oder Handtasche mit sich zu tragen? Ich kann diejenigen wirklich nicht verstehen, die ach so überraschend einkaufen und jedes Mal wieder einen weiteren Plastikbeutel kaufen, nur ihm diesen dann direkt nach der Verwendung in den Müll zu werfen. Das ist tatsächlich sinnlose Verschwendung, denn – oh Wunder – auch einen Plastikbeutel kann man zusammen falten und mehrfach verwenden! Noch nie darauf gekommen? Dann wird es aber Zeit!

Tatsächlich habe ich genau dies gemacht – früher, als die Plastikbeutel noch schön waren und man sich gefreut hat, wenn man etwa als Fan eines Unternehmens einen Beutel mit Firmenlogo mit sich herum tragen durfte. Vielleicht war das zum letzten Mal in den 80-Jahren des letzten Jahrhunderts der Fall, irgendwann kam dann der Schwenk zu den Jute- oder einfach Stoffbeuteln. Leider sind diese auch nicht unkaputtbar, inzwischen habe ich einige verschlissen, da die Trägerriemen langsam ausfransen und daher das Tragegewicht reduziert werden muss. Aber – ich schwöre – ich habe immer so einen Beutel dabei, wenn ich meine vier Wände hier verlasse! Für den doch möglicherweise überraschenden Einkauf.

Ein anderes Beispiel wären Bücher. Ich gebe zu, das E-Book hat bei mir noch nicht alle toten Bäume abgelöst. Aber warum müssen Hardcover-Exemplare noch in Plastikfolie eingeschweißt sein? Damit die Druckerschwärze frisch bleibt? Hier zeigt sich eine doch wirklich sinnlose Verwendung von Plastikfolie, dennoch werden diejenigen Verlage von den Grünen noch nicht angeprangert, zumindest habe ich davon noch nichts gelesen.

Und da wäre ja noch ein herzallerliebstes Thema – “Coffee to go”:

Quelle: https://www.digitale-notdurft.de/2013/07/24/coffee-to-go-jetzt-auch-zum-mitnehmen/

Kein Witz – zwar handelt es sich hierbei nicht um ein von mir geknipstes Foto, aber ich habe ein ähnliches Schild schon selbst gesehen. Und zwar vor einer jener Kaffee-Verkaufsbuden, bei denen sich Yuppies und Hipster sowohl männlicher als auch weiblicher Natur bedienen, um anschließend Smartphone- und Plastikbecher balancierend vor den nächsten Laternenpfahl zu rennen. Ja, auch Touchscreen bedienen und parallel Kaffee trinken will gelernt sein! Dabei ist bereits das Konzept krank, d.h. sich unbedingt auf dem Weg zur Arbeit noch einen Kaffee oder vielmehr Caffè Latte Macchiato aufgeschäumter Milch mit Schokoladenpulver in Herzform reinziehen zu müssen. Als ob es im Büro nicht genug und jederzeit Kaffee gäbe! Also warum auf Schritt und Tritt Kaffee mit sich herum schleppen? Damit ließen sich einige Tonnen Plastikmüll sparen. Oder ist das letztlich doch gar nicht so schlimm? Natürlich gibt es diejenigen Sommertage, in denen man ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr umgehend mitten in der Innenstadt umkippen und den sofortigen unbarmherzigen Tod erleiden würde. Aber nicht hierzulande, auch nicht in diesem Sommer. Und falls doch, was spricht gegen die Mitnahme einer Flasche Wasser, die durchaus aus Plastik sein könnte, schließlich lässt sich auch ein solches Produkt mehrfach verwenden.

Mülltrennung? Kommt das jemandem bekannt vor?

Nicht erst seit Otto den Teebeutel auseinander gepflückt hat, sollte einem Mülltrennung halbwegs bekannt vorkommen. Der Ausschnitt findet sich z.B. bei YouTube, bis irgend jemand wieder die Sperrkeule schwingt, ansonsten einfach nach “Otto Teebeutel” suchen.

An meinem Wohnort gibt es strikte Mülltrennung, und danach hat man sich zu richten. Gefälligst. Jawollja! Es gibt sogar einen Müllkalender, der in diesem Jahr leider meinem Empfinden nach unübersichtlicher geworden ist als in den letzten Jahren, außerdem mehr Papier benötigt, da jeder Monat auf einem einzelnen Blatt festgehalten wird. Das ist zwar totaler Unfug, denn jetzt steht auf 12 Seiten dieselbe Information wie früher auf einer. Aber vermutlich ist dies auch denjenigen geschuldet, die keine Tabellen mehr lesen können…

Jedenfalls wird der Müll getrennt in:

  • Gartenabfälle/Biotonne
  • Papier/Pappe
  • Restmüll
  • Wertstoffe/Verpackungen, allg. als “gelber Sack” oder “gelbe Tonne” bezeichnet

Eigentlich ist das System nicht so schwer zu verstehen, dazu muss man keinen Master of Science in Müllmanagement abgeschlossen haben.

Über das, was in diese gelben Behältnisse geworfen werden darf, herrscht mitunter eine gewisse Unsicherheit, abgesehen davon ist dies ggf. noch regional verschieden, aber sicher ist – Verpackungen gehören dort hinein. Also auch der Plastikbeutel aus der Obstabteilung. Oder der Joghurtbecher aus Plastik. Nicht jedoch Glas, dafür ist bitteschön der Glascontainer zu nutzen. Fast vergessen – die vielen Einwegflaschen und Dosen, die natürlich gegen Pfand zum Verkäufer zurück gebracht werden.

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Und es gibt das “Duale System” der Abfallwirtschaft aufgrund der Verpackungsverordnung, die die Unternehmen der Lebensmittel- und Verpackungsbranche verpflichtet, die Verpackungen zurück zu nehmen und einer Verwertung zuzuführen. Damit dürfte Deutschland insgesamt eines der fortschrittlichsten Müll-Vermeidungs- und Recycling-Systems haben. Und es ist auch gut so, dass Deutschland hier vermutlich eine Vorreiter-Rolle einnimmt. Gehen wir mal vom mustergültigen Bürger aus, der seinen Müll vorschriftsmäßig trennt, wie kommt dann überhaupt das ganze Plastik in die Flüsse? Gibt es wirklich so viele Arschlöcher, die ihre Plastiktüten im nächsten Gewässer verklappen oder einfach so in die Umwelt werfen? (Und wenn ja, wieso haut man ihnen nicht ordentliche Strafen um die Ohren? Aber das ist wieder eine andere Geschichte… Und an die- oder denjenigen, die meinen, mein Vorgarten wäre die richtige Stelle, um ihre Schnellimbiss-Reste oder Schokoladenverpackungsfolie zu entsorgen: Das ist er nicht! Wenn ich euch einmal auf frischer Tat erwischen sollte, eskaliere ich aber so richtig!)

Trotz der über die Jahre steigenden Zahl der Einwohner bei nahezu konstanter Gesamtintelligenz gehe ich dennoch davon aus, dass hier in Deutschland die Mülltrennung durchaus funktioniert. Oder zumindest die Entsorgung, denn sicherlich landet auch die eine oder andere Plastiktüte im normalen Hausmüll und wird konventionell entsorgt.

Problem – Analyse – Lösung?

Also halten wir fest: Ich werfe meine Obst-Plastikbeutel nicht ins Meer. Ich vermute, die meisten Menschen hierzulande handeln ebenso. Also wie kommt das Zeug denn bitteschön dorthin? Was passiert, nachdem die gelben Säcke und Inhalte der gelben Tonnen in den Müllwagen verschwinden? Danach sollte doch eigentlich eine fach- und sachgerechte Entsorgung respektive das Recycling der Verpackungen stattfinden. Schließlich haben Politik mit “Verpackungsverordnung” und Kommunen, Entsorgungsunternehmen etc. den Bürger schon zu Müllexperten erzogen. Dazu mag man anderer Meinung sein als ich, aber meines Erachtens ist dies durchaus in Ordnung, sofern dem Aufwand auch ein Nutzen gegenüber steht.

Soll heißen – der Obstkäufer mit der ordnungsgemäß in den gelben Sack geworfenen Plastiktüte muss auch irgendwann aus seiner Verantwortung entlassen werden! Denn ab sachgerechter Müllübergabe sind nun andere dran – an erster Stelle die Entsorgungsunternehmen. Was passiert mit dem Inhalt der gelben Säcke und gelben Tonnen? Wo landet das ganze Zeug? Hier würde ich mir mehr Transparenz wünschen, jene Unternehmen müssten zu einer entsprechenden Entsorgung verpflichtet werden, dies muss zudem kontrolliert und einsehbar für jeden sein. Es darf nicht sein, dass mal eben ein paar Tonnen verschwinden oder in irgend ein Dritte- oder Zweite-Welt-Land verkauft werden, in dem weniger strenge Gesetze herrschen oder dank noch mehr Korruption die eine oder andere Schiffsladung in das nächstliegende Meer gekippt wird. Denn was nützt es, wenn ich jedes kleine Plastikfitzelchen in den gelben Sack werfe, aber das Ergebnis dann exportiert und fernab der Heimat im nächsten Fluss landet?

Denn nach wie vor bleibt die Frage, wie kommt das Plastik ins Meer? Es ist erstaunlich, dass man darüber sehr wenig zu lesen bekommt, statt dessen das oben erwähnte Lamentieren und Klagen Oberhand nimmt. Oder auch die geforderten Verbote der Grünen, verbunden mit dem Wunsch, dem Bürger wieder einmal noch mehr ins Portemonnaie zu fassen. Natürlich ist der aktuelle Zustand schlimm. Aber wo kommt das Plastik her? Glücklicherweise gibt es auch dazu immerhin ein paar Untersuchungen und Veröffentlichungen. Wenngleich sie wenig populär erscheinen, denn laut dieser Aussage werden 90% des Plastiks von sage und schreibe zehn (in Zahlen: 10) Flüssen ins Meer transportiert. Der Rhein gehört übrigens nicht dazu, nur um dies mal festzuhalten.

Von diesen zehn Flüssen sind nur zwei im nicht-asiatischen Raum zu finden. Mal ehrlich – was ist das denn für eine Sauerei? Hier beraubt man uns der Obstverpackungen, während China als Abfalleimer der Welt verwendet bzw. missbraucht wird? Dabei möchte ich gar nicht den Chinesen oder die Chinesin anprangern, einerseits wären wir ohne China Handy- und computerlos, andererseits dürfte es der rasanten Entwicklung geschuldet sein, dass auf Umweltaspekte bislang weniger Rücksicht genommen wurde als z.B. in Deutschland, wo spätestens seit den 1980er Jahren Umweltinitiativen immer stärkeren Einfluss gewinnen konnten.

Ich würde mir eher wünschen, dass das Know-How westlicher Unternehmen beim Thema Umwelt exportiert – oder auch von den Chinesen kopiert wird. Denn wenn es zehn neuralgische Punkte gibt, an denen eine positive Änderung bereits gewaltigen Einfluss auf die Meeresneuverschmutzung hat, wäre es doch eine – im Vergleich zur Reinigung der Meere – relativ einfache Möglichkeit, die Belastung zu verringern.

Damit einher gehend könnte man auf die Idee kommen, dass das Plastik-Problem möglicherweise globale Ausmaße hat und sich nicht mit höheren Steuern oder verbotenen Obstbeuteln in deutschen Supermärkten lösen wird. Also “Globalisierung”, mit allen Vor- und Nachteilen.

Um den bestehenden Plastikmüll aus dem Meer zu fischen, gibt es ebenfalls bereits Ansätze. Zwar ist die Patentlösung noch nicht gefunden, aber wie wäre es, wenn einige der Entsorgungsunternehmen einen Teil ihres Gewinns in entsprechende Forschungsvorhaben stecken? Der Bürger bezahlt sowieso bereits alles, aber in dem Bereich wären jene Gelder auch endlich einmal sinnvoll angelegt.

Dann müssten auch keine Facebook-Beiträge mit schlafenden Kindern auf Plastikflaschen oder ähnliches mehr gepostet werden. Oder die Grünen aus dem Halbschlaf erwachen und reflexartig mehr Steuern fordern. Die Idee, Forschung für nachhaltige und umweltfreundliche Verpackungsmaterialien zu fördern, finde ich übrigens gar nicht so schlecht. Doch wäre dies auch ohne Steuererhöhungen möglich, schließlich ist Deutschland noch immer ein reiches Land. Das vorhandene Kapital müsste nur sinnvoller kanalisiert werden. Welche Idee hätten die Grünen denn dazu?

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Kategorie: Politik