Hilfe! Die selbstfahrenden Autos wollen uns alle töten!

Die vielgepriesenen selbstfahrenden Autos sind gar nicht gut, sie sind böse! Sie wollen uns alle töten! Oder zumindest überwachen! Versklaven! Uns die Freiheit entziehen! Dahinter stecken die CIA, der BND, Verfassungsschutz und natürlich (Frau Dr.) Merkel! Oder die Zucker-Mafia und natürlich die Erneuerbare-Energie-Konzerne, sie haben sich alle gegen uns verschworen! Oder doch nicht? Aber hey, ich stelle ja nur Fragen! Und Fragen stellen wird man ja noch dürfen, oder? Ja, so lässt sich in etwa das erste Kapitel eines “Jahrbuchs” zusammenfassen. Worauf will ich hinaus? Also schön, dann der Reihe nach.

Mitunter lese ich ganz gerne “alternative Medien”. Natürlich dienen sie nicht als alleinige Informationsquelle, aber ich finde es durchaus interessant, was abseits des Mainstreams so geschrieben wird. Mit einer gesunden Portion Reflektionsfähigkeit lässt sich dies sogar vertragen, ohne gleich verzweifelt in die Tischkante beißen zu müssen. Schließlich gilt der Grundsatz, dass eigenes Nachdenken nie schadet, auch für den Konsum eben dieser alternativen Medien und nicht nur für den Mainstream. Genau das will einem der Autor sogar vermitteln, denn direkt als Einstieg wird  Oscar Wilde zitiert mit “Wer nicht auf seine Art denkt, denkt überhaupt nicht”.

Ob das Zitat nun wirklich korrekt wieder gegeben ist, ist dabei gar nicht so entscheidend. Als ich zuletzt über die Verschwörungstheorie des Einsturzes der Morandi-Brücke gestolpert bin, ist mir aufgefallen, dass sich ein Autor namens Gerhard Wisnewski gerne an derartigen Theorien beteiligt. Tatsächlich hat er fast zu ziemlich jedem kontroversen Thema der letzten Jahr ein Buch heraus gebracht. Die Quintessenz jener Gedanken findet man in den “Jahrbüchern” mit dem Titel “verheimlicht, vertuscht, vergessen – Was {Jahreszahl} nicht in der Zeitung stand”, die Variable wird dabei entsprechend gefüllt.

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Aktuell ist dabei die Ausgabe 2018, die die Ereignisse des Jahres 2017 betrachtet. Also analog zur Steuererklärung, die Programme mit der aktuellen Jahreszahl sind zuständig für die Verarbeitung der Steuern des Jahres zuvor. Die Bücher sollen – im Gegensatz zur Steuererklärung – zum Nachdenken anregen, so lange dies noch erlaubt sei, denn der denkende Bürger wird selbstredend als Gefahr für das herrschende politische System herauf stilisiert. Wie gesagt – mit der Fähigkeit des Nachdenkens, Aktivierung des eigenen Verstandes und einer gewissen kritischen Betrachtungsweise lässt sich ein derartiges Buch sogar lesen, ohne verrückt zu werden. Wobei – vielleicht bin ich genau dies ja schon, doch auf welcher Seite stehe ich nun? Fragen über Fragen, aber diese soll man doch genau stellen!

Ich bin angesichts des gestrigen Empfangs des Buches auch noch gar nicht weit fortgeschritten, doch bereits das erste Kapitel hat bei mir keinen besonders guten Eindruck hinterlassen. Vielleicht ändert sich dies in den nachfolgenden Abschnitten, vielleicht wird mich die dunkle Seite der Macht dann auch vereinnahmt haben, wer weiß dies schon… Gefühlt besteht das Buch übrigens zu 90% aus Zitaten, das beinhaltet sowohl Mainstream-Medien als auch die Alternative-Fakten-Varianten. Möglicherweise soll damit eine Art Wissenschaftlichkeit suggeriert werden, nach dem Motto, je mehr Zitate, desto glaubwürdiger, vielleicht wollte der Autor aber auch einfach Zeit sparen oder sich mit weniger Inhalt weniger angreifbar machen. Denn das Füllmaterial sind wiederum viele formulierte Fragen und ein wenig – nennen wir es mal “glue language” (hier kommt der Entwickler in mir durch).

Das erste Kapitel beschäftigt sich nun mit dem Thema selbstfahrende Autos. Dazu werden viele Fragen gestellt, Quellen zitiert und Verknüpfungen erzeugt. Meines Erachtens sind die Grundlagen jedoch ein wenig dünn geraten, ich komme gleich dazu, was ich damit meine.

Persönlich hätte ich schon ziemlich gerne ein selbstfahrendes Auto. Ich würde mich gerne von Google herum kutschieren lassen. Als ich 2014 meinen damals neuen Wagen kaufte, hatte ich den Gedanken, dass ich diesen Wagen genauso lange wie den vorherigen fahren wollte, und dann auf das Google-Fahrzeug umsteigen würde. Nun hatte ich den Wagen zuvor genau sieben Jahre, also kurz gerechnet, wir haben bereits 2018 – verdammt, wie die Zeit doch verfliegt, also müsste ich mir 2021 ein selbstfahrendes Automobil kaufen können respektive wollen. Angesichts noch viel zu vieler offener Fragen, die beispielsweise auch rechtlicher Natur sind, zweifle ich eher daran, ob mich in drei Jahren Google herum fahren wird. Die Technologie wäre vielleicht bereits so weit, allein der Faktor Mensch ist es nicht.

Warum befürworte ich nun selbstfahrende Autos? Sind wir mal ehrlich – Menschen machen Fehler. Und zwar verdammt viele. Die Fehlerquote steigt dazu noch unter gewissen Einflüssen, ob nun durch Drogen, Imponiergehabe, Geschwindigkeitsrausch oder ähnlichen Aspekten bei der jüngeren Generation, oder durch nachlassenden Fähigkeiten, Unaufmerksamkeit, gestiegenen Anforderungen bei dichterem Verkehr etc. bei der älteren Generation, oder durch alles zusammen und einer gewissen Ablenkung durch Beifahrer, Handys, den Gedanken an den nächsten Termin und so weiter. Autofahren kann Spaß machen – wenn die Straßenverhältnisse so sind, wie sie einem in diverser TV-Reklame präsentiert wird. Also im Stil von interessanten und vor allem einsamen Landstraßen, Alleen, schneebedeckten Paßstraßen, auf denen man auch den einen oder anderen Drift auf den Asphalt legen kann. Dazwischen dann der Sonnenuntergang, auf denen das junge Pärchen zufährt, oder aber der Parkplatz auf der Baustelle, für deren Überquerung selbstverständlich einer der Stadt- und Muttipanzer, Verzeihung, SUVs benötigt wird. Wundersame Auto-Welt! Aber Gegenverkehr, rechts überholende Vollidioten, drängelnde Berufsjugendliche, nach Kraftstoff stinkende Finger (ich möchte gar nicht über die Bakterienpopulation einer Zapfpistole nachdenken) oder auch Zwangspausen durch Stau oder der Ladezeit des Elektromobils wird man in der Werbung nicht finden. Immerhin dürften sich die im Umkreis des tatsächlich hier vor Ort befindlichen Tesla-Superchargers vorhandenen Schnellimbiss-Betreiber über steigende Umsätze freuen.

Vom Stadtverkehr mal ganz abgesehen! Ich fahre ja mitunter gerne mit dem Wagen, aber definitiv beispielsweise nicht in Köln. Für die Kölner Einwohner komme ich natürlich “vom Land”. Und hier war es damals genau wie von der Autoindustrie noch immer gewünscht wird – der Führerschein und erst recht das erste, eigene Auto bedeutet Freiheit, Unabhängigkeit, Selbstständigkeit. Der Führerschein mit 18 war keine Option, sondern Pflicht, denn bis dahin kam man entweder nur mit üblen öffentlichen Verkehrsmitteln über den Stadtrand hinaus, oder man ließ sich mitnehmen – von den älteren Semestern. Beides war das Gegenteil von “unabhängig”. Ich kann mich an niemanden aus meinem damaligen Umfeld erinnern, der nicht mit 18 den “Lappen” in der Hand hatte. Die klassische Karriere lautete somit Führerschein, eigenes Auto, meist auf dem Gebrauchtmarkt erstanden, Freiheit genießen, sich nach der durchgezechten Disco-Nacht um den Baum wickeln. Ok, ich übertreibe ein wenig…

Wie sieht es heute aus? Sagen wir mal – anders. Der Führerschein ist sicherlich in mancher Gegend nach wie vor obligatorisch, in Großstädten hingegen weniger nützlich als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Manch ein Mitmensch kommt sogar völlig ohne aus – und vermisst noch nicht einmal etwas. Der Takt der öffentlichen Verkehrsmittel ist dicht genug, aus der Stadt raus gelangt man am besten mit dem Billigflieger oder der Teuerbahn, in letzter Zeit sogar konkurrierend mit dem Party-, ach nein, Fernreisebus. Überhaupt ist der Verkehr in deutschen Großstädten so dicht, dass man in einer Fahrstunde wohl kaum fahren lernt, sondern eher Stehen und Warten, insbesondere zu den bekannten Stoßzeiten. Ich habe nun seit über 25 Jahren den Führerschein und inzwischen ein wenig Fahrpraxis angesammelt, aber kann nicht behaupten, dass das Fahren in einer typischen, größeren Stadt Spaß macht. Vom Wohnort bis zum Stadtrand – alles prima. Aber danach wird es einfach verdammt anstrengend, und dabei will ich gar nicht weiter auf Fahrrad-Rowdys, Rote-Ampel-Läufer oder ähnliche Subjekte eingehen. Allein die Parkplatzsuche lässt mich nicht in Jubel ausbrechen, so dass ich es vermeide, überhaupt den Weg in die Stadt aufzunehmen, wenn mir nicht von vornherein ein Parkplatz zur Verfügung steht. Und obwohl ich mein Auto primär als nützliche Maschine betrachte, um von einem Punkt A zu einem Punkt B zu gelangen und dabei vielleicht noch den einen oder anderen schweren Gegenstand zu transportieren, mag ich meinen Wagen! Ja, wirklich! Das liegt zum einen daran, dass er sich sehr gut fährt, es ist somit momentan die beste jener Maschinen, die ich in meinem Leben hatte, und zum anderen natürlich an den für mich als bekennender Nerd wichtigen technischen Errungenschaften, um nicht zu sagen elektronischen Gimmicks. Und ich fahre nie ohne Navigationssystem! Zumindest bei allem, was über den Heimatort hinaus geht. Und natürlich heißt es auch damit weiterhin, aufmerksam zu bleiben und nicht die “Straße” über den Fluss zu nehmen, die in Wirklichkeit eine Fähre ist…

Ich bin nun ein wenig abgeschweift, aber tatsächlich hätte ich nichts dagegen, wenn der nächste Wagen von Google kommt, oder auch von Apple, oder gar von Microsoft. Vielleicht sogar von Yandex, falls man nicht den Russen a priori böse Absichten unterstellt. Zwar ist die Definition eines “Automobils” anders als es einem die Wortherkunft verheißen mag (“auto” == selbst, “mobil” == bewegen), aber in diesem Sinne würde ich es begrüßen, wenn nach einer Entwicklung von Hundert und mehr Jahren das “selbstbewegende Fahrzeug” sich auch endlich einmal (von) selbst bewegt und die Passagiere, respektive der “Fahrer” nicht für jeden gefahrenen Streckenmeter aktiv werden muss. Und natürlich bin ich auch geprägt von “Knight Rider” oder vielmehr “K.i.t.t.” – eine Serie, in der schon bemerkenswert vielen Themen vorgegriffen wurde, etwa als in der ersten Folge K.i.t.t. nicht nur selbst gefahren ist, sondern Michael Knight anstatt des sichereren Abbremsens hinter dem Lastwagen das Überholen desselben vorgezogen hat, um Michael zu “imponieren”. Der Roboter hatte eine Persönlichkeit, davon träumt die KI-Entwicklung auch heute noch. Doch so weit sind wir von der damaligen Science-Fiction der 1980er-Jahre gar nicht mehr entfernt.

Doch zurück zum ersten Kapitel, denn der Autor stellt eingangs so einige Fragen, nach dem Motto wollen wir das selbstfahrende Auto überhaupt, er schildert einen seiner vielen Alpträume, in dem das Fahrzeug seinen eigenen Weg sucht und den Fahrer ins Nirvana befördert… Ich für meinen Teil kann die Frage eindeutig beantworten bzw. habe dies bereits getan. Der Faktor Mensch stellt einfach eine riesengroße Fehlerquelle dar. Sicherlich können Unfälle nicht völlig vermieden werden, aber nichtsdestotrotz halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass die Maschine, insofern das selbstfahrende Auto insgesamt weniger Unfälle verursacht als wenn ausschließlich Menschen das Steuer in der Hand behalten würden. Denn konsequent betrachtet dürfte man ansonsten auch nicht mit dem Taxi fahren oder grundsätzlich auf einem Platz neben oder hinter dem Fahrer sitzen. Denn jedes Mal, wenn man nicht selbst steuert, überlässt man die Verantwortung jemand anderem, nicht zuletzt für Leib und Leben. Ich bin beispielsweise im letzten Jahr aufgrund gewisser Umstände viel mit dem Taxi gefahren worden und habe sehr gute Fahrer erlebt, die mich verantwortungsvoll und umsichtig zum Ziel gebracht haben. Aber leider auch das genaue Gegenteil – übermüdete, abgelenkte, telefonierende Kutscher, noch dazu voller Selbstüberschätzung, weshalb sie trotz Ortsunkenntnis nicht das Navigationssystem aktiviert haben und infolge dessen mal eben einige Kilometer Umweg auf dem Zähler hatten. Oder nehmen wir andere Verkehrsmittel, ob nun Bus, Bahn oder gar Flugzeug, auch dabei begibt man sich in fremde Hände. Würde ich nun eher einer von hervorragenden Ingenieuren und Informatikern entwickelten Maschine vertrauen, die ein fehlertolerantes, redundantes System gebaut haben, oder einem einzelnen Individuum, dessen “Systemzustand” mir zunächst unbekannt ist? Und ich habe definitiv mehr Angst vor LKW-Fahrern, die vorhandene Abstands- und Bremsassistentenzsysteme in voller Absicht und mit anscheinend gutem Gewissen deaktivieren und somit beim Zeitunglesen während der Fahrt ungebremst ins Stauende knallen, als vor einer Fehlfunktion der Technologien. Als PKW-Fahrer bei einem Stau auf die rechte Spur wechseln? Keine gute Idee!

Der Autor geht dann weiter auf überholte Computer-Mythen ein, nach dem Motto das Windows-Betriebssystem würde ständig abstürzen und stellt dabei die Frage, ob man sein Leben einem Windows-Computer anvertrauen würde. Dazu ist erstens zu erwähnen, dass er anscheinend Windows noch aus der Zeit vor zehn bis 15 Jahren kennt, als es tatsächlich so gut wie unmöglich schien, länger als einen Tag an einem jener Rechner ohne Absturz zu überleben. Übertrieben gesagt, wohlgemerkt. Vor zehn Jahren habe ich beispielsweise an meiner damaligen Arbeitsstelle mit Windows XP gearbeitet, was bereits bemerkenswert stabil lief. Das wurde irgendwann ersetzt durch Windows 7, und seitdem ist die Situation jedenfalls nicht schlechter geworden. Momentan nutze ich zwar auch andere Betriebssysteme, aber auf meinem privaten Arbeitsrechner verwende ich sehr gerne Windows 10 – und an einen wirklichen Absturz kann ich mich seit dem Kauf vor einem Jahr jedenfalls nicht erinnern. Viel ärgerlicher sind die augenscheinlich eigenmächtig durchgeführten Reboots aufgrund von System-Updates, da man noch immer nicht einstellen kann, dass dies einfach grundsätzlich nicht passieren soll, bzw. wenn der Reboot zwar außerhalb der konfigurierbaren Arbeitszeit liegt, aber dann umso mehr nervt, wenn man morgens an den Rechner geht und ein jungfräuliches System vorfindet. Aber gut, das ist meine persönliche Angelegenheit. Was die Stabilität anbetrifft, kann ich jedenfalls nicht klagen. Insofern muss man hierbei dem Autor vorwerfen, die Entwicklungen des letzten Jahrzehnts verschlafen zu haben oder Alternativen wie Linux erst gar nicht zu kennen.

Andererseits vertrauen wir tagtäglich Computern unser Leben an! Was ist beispielsweise mit der Ampelsteuerung, den Systemen der Energieversorger, insbesondere Atomkraftwerken, oder auch medizinischen Geräten in Krankenhäusern? Oder Rolltreppen Fahrstühlen, die können insbesondere in China schon sehr grausam sein! Oder um näher am Thema zu bleiben, auch in heutigen PKW und natürlich LKW sind bereits Unmengen an Embedded Systems installiert, die vielleicht noch nicht ins Lenkrad eingreifen (außer beim Parkassistenten, Spurhalteassistenten etc.), aber dafür so gut wie alle sonstigen relevanten Funktionen steuern? Was ist mit Haushaltsgeräten – von der Waschmaschine bis zum Kühlschrank, Herd oder auch der Kaffeemaschine? Die Dinger können verdammt gemein sein, wenn sie nicht richtig funktionieren! Und die vielen Industrieanlagen mit ihren Steuerungssystemen, die nichts anderes sind als Computer, auch wenn sie vielleicht anders heißen und in Form von Microcontrollern, Sensoren und Aktoren, speicherprogrammierbarer Steuerung (SPS) o.ä. auf die Menschheit los gelassen werden. Und das nicht erst seit heute, sondern seit Jahrzehnten! Inklusive der damit verbundenen Sicherheitslücken und sonstiger Probleme, mittlerweile potenziert durch die Vernetzung, Internet-of-Things (IoT) und ähnlichen Entwicklungen. Das ist zugegebenermaßen eine Herausforderung, aber wer heutzutage Zweifel hat, sein Leben einem Computer anzuvertrauen, muss sich wohl von der (westlichen) Gesellschaft verabschieden und den Weg zurück in die Wildnis bestreiten.

In den nächsten Abschnitten bezieht sich der Autor auf Unfälle, die durch den Tesla-“Autopilot” verursacht worden sein sollen. Ja, Handbuch lesen rettet Leben! Auch in diesem Kontext! Ob die viel zitierten Medien nun die aktuellen Technologien als autonomes Fahren bezeichnet haben, obwohl die Entwicklung noch nicht so weit ist, sei mal dahin gestellt. Ich habe jedenfalls Artikel gelesen, die sich differenzierter mit dem Thema auseinander gesetzt haben, letztlich reicht dafür sogar ein Blick in den entsprechenden Wikipedia-Artikel, um zu wissen, dass es dabei einige Abstufungen gibt und dass die letzte Stufe, die Vollautomatisierung, noch nicht massentauglich erreicht ist.

Zudem stellt der Autor die technologische Entwicklung infrage, nach dem Motto, warum ausgerechnet jetzt das autonome Fahren einen derartigen Auftrieb erhält, nachdem Jahrzehnte zuvor nichts passiert sei. Ja, das ist nun einmal genau die Entwicklung der Technologien. Nach den Anfängen der “künstlichen Intelligenz” in den 1960er-Jahren und den damit verbundenen Hoffnungen führte genau die Nichterfüllung derselben, bzw. die Einschränkungen angesichts der damals verfügbaren Mittel zu einer gewissen Enttäuschung, die in einer Art KI-Krise endete. Einen kleinen Auftrieb erhielt das Thema noch einmal in den 1980er-Jahren, danach wurde es wieder stiller. Er in jüngster Zeit wurde aufgrund weiter entwickelter Software, aber natürlich auch angesichts der wesentlich leistungsfähigerer Hardware das Thema wieder interessanter. Und natürlich sind es die US-amerikanischen Technologieunternehmen, die das Thema weiter treiben. Nachdem zunächst riesige Datenmengen gesammelt werden konnten – erst forciert durch die Entwicklung der “NoSQL”-Datenbanken, später wurde es umfassender als Big Data bezeichnet, wurde es möglich, diese Daten auch zu verarbeiten. Damit einher gehend kam das Thema des “Machine Learning” und somit allgemeiner die “Künstliche Intelligenz” wieder ans Tageslicht. Das selbstfahrende Auto ist dabei nur ein Teilbereich, andere Beispiele sind etwa Gesichtserkennung, Identifikation von Merkmalen, die eine Krankheit auslösen usw..

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Und natürlich wird diese Entwicklung auch durch Forschungen, die vom Militär unterstützt werden, weiter getrieben. Das ist aber keine besonders neue Erkenntnis, sondern mindestens seit dem Zweiten Weltkrieg gang und gäbe.

In den letzten Abschnitten wird es dann richtig wild, soll heißen, es wird munter drauflos verknüpft, als Stichwörter seien nur Tesla, Elon Musk, NASA, Subventionen, CIA, globale Mega-Konzerne, SpaceX, “James-Bond-Technologien”, Geheimprojekte und natürlich auch Angela Merkel genannt – also nahezu alles, was der Werkzeugkasten des modernen Verschwörungstheoretikers zu bieten hat.

Wobei – besonders geheim oder gar neu sind diese Aspekte doch wirklich nicht! Erinnert sich noch jemand an die DARPA-Grand-Challenges? Bereits 2004 hat die Technologieabteilung Defense Advanced Research Projects Agency, immerhin eine Behörde des US-Verteidigungsministeriums, Wettbewerbe zur Entwicklung autonom fahrender Kraftwagen ausgetragen. Der Gewinner erhielt – völlig offen – eine Million Dollar Preisgeld. Der Zugewinn an Publicity und Anerkennung dürfte ebenfalls nicht gering gewesen sein. Im darauf folgenden Jahr hat sogar ein Volkswagen Touareg eines Teams der Stanford-University, das zufälligerweise vom Deutschen Prof. Sebastian Thrun geleitet wurde, die Challenge gewonnen! Und jener Professor ist zu allem Überfluss später zu Google gegangen und hat weiter im Bereich der künstlichen Intelligenz geforscht. Daraus lassen sich doch noch weitere Verschwörungstheorien ableiten, oder? Dummerweise hat dies der Buchautor anscheinend völlig übersehen bzw. ist nicht tief genug in das Thema eingestiegen.

Zum Schluss malt der Autor noch ein Szenario, in dem der selbstfahrende Wagen eines “Delinquenten” durch den Staat gesteuert die berühmte Klippe hinunter fährt oder den Bankräuber zum nächsten Polizeirevier kutschiert. Das würde natürlich heißen, dass jeder Insasse eines selbstfahrenden Autos permanent überwacht werden müsste – welch ein Aufwand! Der Staat schafft es ja nicht einmal, die polizeibekannten Gefährder im Auge zu behalten! Und dann soll es ihm gelingen, sämtliche potenziellen Verbrecher zu überwachen, so dass bei einer Straftat direkt eingegriffen wird? Das würde voraussichtlich nur maschinell funktionieren, also wiederum durch eine KI gesteuert, die im Gegensatz zum Menschen keine Probleme mit der Skalierbarkeit hat. Dann sind wir aber schnell bei “Skynet” aus der “Terminator”-Reihe, obwohl aktuell nicht einmal “Knight Rider” realisiert worden ist.

Zugegeben, wenn man scharf nachdenkt, könnte vieles bereits mit der heutigen Technologie erreicht werden. Und da Google auch nicht mehr “nicht böse” sein möchte, ist allem Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Beispielsweise auch angesichts der Haus-Spione in Form von Amazon Echo, Google Home und ähnlichen Geräten. Und das war schließlich erst der Anfang! Ich befürworte sehr den kritischen Umgang mit neuer Technologie, auch wenn ich gerne eben jene Neuigkeiten ausprobiere und demzufolge auch offen gegenüber stehe. Vielleicht hilft es auch einfach, nicht hinter jeder Ecke das Böse zu vermuten. Die Zeit wird es zeigen, welche Seite die Oberhand gewinnt…

Nachtrag / Ergänzungen

  • Gestern hatte ich einfach mal ins Blaue hinein getippt, dass das russische Internet-Unternehmen Yandex ein selbstfahrendes Auto entwickeln können würde. Ich hatte mich geirrt – es ist schon da! Und nicht nur diese Testfahrt im Schnee mitten in Moskau sieht schon verdammt gut aus!

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Kategorien: Politik Technologie