Zombies vs. Pflanzen – oder: EU gegen Google

Manchmal möchte man sich schon fragen, was die EU jemals Sinnvolles zustande gebracht hat. Oder zustande bringen wird. Oder ob sie nur als Abstellgleis für alternde oder gescheiterte Politiker-Existenzen dient, die nun den Mitgliedsstaaten, Firmen und Bürgern auf die Nerven fallen. Oder ob die EU einfach nur eine gewaltige künstliche Lebensform ist, die mit einer Magensonde voller Schwachsinn am Leben erhalten wird. Wobei diese Ernährung natürlich viel kostet, aber nicht wirklich etwas nützt, außer dass die EU noch im Aufbäumen eines letzten Lebenszeichens von sich hören lässt, dann aber umso publikumsträchtiger. Ok, da war ja noch der Euro, eine einheitliche Währung, nun braucht’s etwa keine Schillings, Peseta oder Franc mehr, wenn man in die entsprechenden Länder reist. Ist natürlich schön, aber Moment, warum kostet dasselbe Produkt, etwa die c’t in Amsterdam dann einen Euro mehr? Ist ja vom Druckhaus in Würzburg sogar näher als Kiel oder Rostock. Und Salzburg liegt nur einen Katzensprung entfernt, aber dort bezahlt man noch 50 Cent mehr. Ach so, da war noch die Umsatzsteuer, die unterschiedlicher nicht sein könnte. Da blickt schon in DE-Land niemand durch, 0%, 7%, 19%, und manchmal wohl auch abhängig von der Mondphase, aber nur wenn man sich im richtigen Tierkreiszeichen befindet. Und es gibt sogar Umsatzsteuerrichtlinien von der EU – das ist ja wunderbar, aber warum nicht einfach ordentlich aufräumen und einheitlich werden? Wie früher bei einem nicht mehr existenten Baumarkt – 20% auf alles! Obwohl – Einheitlichkeit gibt es beispielsweise bei der DSGVO. Mit deren Umsetzung darf das europäische Parlament ja inzwischen jedem auf den Nerv fallen, der auch nur irgend welche Daten verarbeitet, sich im Internet präsentiert, Kunden, Mitglieder oder Besucher hat. Da wären die kleinen Vereinen oder kleinen Unternehmen, die keinen Datenschutzbeauftragten haben respektive brauchen, sich aber von der Politik aufgrund möglicher Konsequenzen eines Verstoßes – man denke an den hierzulande noch erlaubten Abmahnungsirrsinn – im Stich gelassen fühlen. Besonders beliebt auch bei Ärzten, Pflegeeinrichtungen oder Therapeuten. Erstmal drei zehnseitige Erklärungen unterschreiben, damit die Pflegerin den Arzt überhaupt informieren darf, wenn es der Patientin schlechter geht. Danke, EU! Größere Unternehmen haben dafür beliebte Stabsstellen mit Heerscharen von Juristen, die dann immerhin ein Abo eines Datenschutz-Generators bestellen können, bei dem sie den Link auf die Quelle löschen dürfen. Aber wenn es schon innerhalb der EU-Grenzen – sagen wir mal –  schwierig ist, vielleicht klappt es nach außen hin besser? Zum Beispiel beim momentan allseits beliebten Diskussionsthema Migration und Flüchtlinge. Eine gemeinsame Marschrichtung nach außen hin liegt in weiter Ferne und wirkt eher zahnlos als konsistent. Dafür gibt es aber Absichtserklärungen, sichere Routen nach Europa anzubieten. Was danach mit den Menschen geschieht, interessiert die EU wohl eher weniger. Natürlich wären 1% der Bevölkerung von Europa kein Problem, aber anstatt die Mitgliedsstaaten zu einer Aufnahmequote zu verpflichten und bei Verstößen entsprechend zu sanktionieren, wird munter Verschiebebahnhof gespielt – von einer gemeinsamen, konsistenten Lösung keine Spur.

Die gibt es hingegen, wenn sich die EU gegen große Unternehmen, sehr gerne aus der USA, und noch lieber aus dem Technologie-Bereich stellt. So verhängte jüngst die EU-Kommission eine Strafe von 4,3 Milliarden Euro gegen Google. Zwar will Google in Berufung gehen, und in diesem Fall wünsche ich diesem Rechtsweg tatsächlich viel Erfolg, doch bis zu einer Entscheidung muss diese horrende Summe erst einmal als Banksicherheit hinterlegt werden.

Jetzt könnte man meinen, mit Google trifft es kein armes, vor sich hin vegetierendes Unternehmen, das schon arg gebeutelt ist, sondern eine Branchengröße, der es gut geht und daher eine derartige Summe auch durchaus verkraften kann oder vielleicht aus der sprichwörtlichen Portokasse bezahlt. Und da Google oder vielmehr Alphabet nun offiziell böse sein darf und – oh Wunder – sogar gerne Steuern spart, ist eine derartige Geldstrafe doch sicherlich berechtigt, wenn angeblich binnen eines Jahres eine fast ebenso hohe Summe wieder eingespart werden kann.

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Genau, das beliebte Thema Steuern. Oder vielmehr Steuervermeidung. Unternehmen versuchen also, mit hoffentlich legalen Mitteln, Steuern zu sparen. Oder werden gar verteufelt, wenn ihnen das auch gelingt – legal, wohlgemerkt. Ja, aber mal im Ernst – wer würde das denn nicht tun? Ob Firmen oder Privatleute, wenn die Möglichkeit besteht, wäre es doch fahrlässig oder vielmehr dumm, Steuern nicht sparen zu wollen! Erst recht bei einer Steuerbelastung wie beispielsweise in Deutschland – immerhin sind “wir” dabei fast Weltmeister. Seit 1985 gibt es das Buch “1000 ganz legale Steuertricks” – ein Bestseller. Bis zur heutigen Google-Suche (sic!) war mir gar nicht bekannt, dass das Buch in aktualisierter Fassung noch immer verlegt wird… Vermutlich werden nun eher Steuererklärungs-Programme benutzt, die ebenfalls nicht mit Tipps und Tricks geizen. Und mal ehrlich – wer noch nie vermeintliche “Fachliteratur” – ganz legal natürlich – von der Steuer abgesetzt oder dies wenigstens versucht hat, zahlt vermutlich erst gar keine Steuern.

Aber was wird Google denn überhaupt vorgeworfen? Da wäre die Maßgabe, Dienste, d.h. Apps von Google vorinstallieren zu müssen, unter anderem die Google Suche und den Browser Chrome. Dadurch werde die Marktmacht missbraucht, um die Google-eigenen Dienste zu bevorzugen. Google sieht das – verständlicherweise – anders. Zwar werden Google-Apps vorinstalliert, aber der Benutzer wird nicht daran gehindert, weitere Apps, die für dieselben Aufgaben zur Verfügung stehen, zu installieren. Google verdeutlicht dies am Beispiel WhatsApp oder auch Facebook. Diese Apps werden – obwohl nicht zur Default-Installation gehörend – wesentlich häufiger verwendet als etwa Google Hangouts. Darüber hinaus verbietet Google nicht die Standard-Installation weiterer Apps. Die Smartphone-Hersteller können weiterhin Apps entwickeln und diese vorinstallieren, wie es z.B. Samsung gerne macht. Leider sind die Apps der Hersteller meiner Ansicht nach qualitativ eher mittelmäßig, und tatsächlich findet sich bei der Eingabe von “samsung apps” als erste Vervollständigung bei der Suche der Begriff “löschen”. Anscheinend sehen nicht wenige Nutzer die Hersteller-Apps ebenso kritisch und wollen sie vor allem erstmal loswerden. Nichtsdestotrotz werden diverse Apps für alle Zwecke angeboten, das geht hin bis zum Ersatz des Launchers, mit dem es möglich ist, seinem Android-Smartphone ein anderes Aussehen des Startbildschirms zu geben. Das kann wiederum verbunden sein mit der Nutzung anderer Standard-Suchmaschinen, Browser etc.. Der Nutzer hat es somit sprichwörtlich in der Hand, welche Apps und Dienste er bevorzugt nutzen möchte.

Aber gehen wir wieder einen Schritt zurück – zur Google Suche. Warum wird diese gern und häufig verwendet? Vielleicht, weil sie einfach gut ist und funktioniert? Als vor Jahren noch mehr populäre Suchmaschinen genutzt wurden, wurde MetaGer entwickelt, eine Meta-Suchmaschine, die es auch heute noch gibt. Dieser Dienst fragt also Suchmaschinen ab und stellt die Ergebnisse konsolidiert dar. Eigentlich keine schlechte Idee, aber nach wie vor ein Nischenprodukt. Immerhin finanziert sich der dahinter stehende Verein durch Spenden und Sponsoren, was man ihm zugute halten kann. Aber erinnert sich noch jemand an das Projekt Quaero? Zwar handelte es sich hier nur auf den ersten Blick um den Versuch, eine Konkurrenz zu Google zu schaffen, letztlich war es als deutsch-französisches Forschungsprojekt zum Thema Suchmaschinen, während eine experimentelle Suchmaschine, die ein Gegengewicht zu Google gewesen wäre, sehr schnell wieder geschlossen wurde. Aber verwundert es wirklich, dass dieses europäische Projekt grandios gescheitert ist, der tatsächlich dabei versenkte Beitrag von EU-Fördergeldern aber verschwiegen wird? Ursprünglich sollten es übrigens 400 Millionen Euro sein, die gemeinsam von Deutschland und Frankreich gespendet werden sollten.

Nun gibt es Bing, aber auch den fingerbrechenden Namen Qwant, oder DuckDuckGo, und noch etliche andere Suchmaschinen, die sich als Google-Konkurrenz positionieren, aber auch andere Ziele abdecken. Dabei dürfte Bing noch am ehesten als Konkurrenz wahrgenommen werden, die Suchergebnisse sind immerhin vergleichbar, die Suche ist zügig, die Ergebnisseite übersichtlich und man wird nicht ständig dazu motiviert, oder beinahe schon genötigt, doch bitte ein Plugin oder eine App zu installieren.

 

Zum aktuellen Zeitpunkt gibt Qwant irgendwie auf – vor wenigen Minuten hatte es noch funktioniert, momentan wird nur angezeigt, dass keine Ergebnisse verfügbar seien, egal welchen Suchbegriff ich eingebe. Wann kam das zuletzt bei Google vor?

Bei DuckDuckGo sind die Ergebnisse beim kurzen Test des Suchens nach mir selbst eher unterirdisch. Als Ausschnitt wird der Cookie-Hinweis und der Sub-Footer angezeigt.

Nunja… Google macht das wesentlich besser.

Auch stört sich die EU daran, dass Google eine zu stark fragmentierte Android-Welt verhindern möchte. So verbietet Google den Herstellern, Geräte mit Android zu verkaufen, wenn sie gleichzeitig Modelle mit modifiziertem Android im Angebot haben. Das kann man jetzt natürlich strittig sehen – immerhin ist Android an sich kostenlos verfügbar und kann von den Herstellern angepasst und verändert werden. Ich lasse das einfach mal so stehen. Es sind eben Lizenzbedingungen. Wenn man z.B. Software entwickelt bzw. modifiziert, derer die GPL zugrunde liegt, muss der Quellcode wiederum frei zugänglich sein. Das mag dem einen oder anderen Unternehmen nicht gefallen, aber so ist die Bedingung. Schließlich wird niemand daran gehindert, ein eigenes System von Grund auf neu zu entwickeln. Natürlich kostet das nicht gerade wenig Aufwand, aber will man Google vorwerfen, dass sie genau dies getan haben? Und wenn Nokia, Psion oder Motorola nicht die Entwicklung von Smartphones völlig unterschätzt und noch mehr verschlafen hätten, würde vielleicht die Mehrheit der Mobilgeräte heute mit einer weiterentwickelten Version von Symbian laufen. Oder – um in der Gegenwart zu bleiben – da wäre ja noch Apple mit iOS. Stört es die EU-Kommission nicht, dass iOS auf Apple-Geräten läuft, und zwar ausschließlich dort festgetackert ist? Es wäre doch eine schöne Konkurrenzsituation, wenn man iOS auf Geräten anderer Hersteller installieren könnte! Die Argumentation der EU-Kommission ist dabei mehr als absurd – weil iOS erst gar nicht lizenzierbar ist und somit nicht (kostenlos) zur Verfügung steht, sei Apple diesbezüglich keine Konkurrenz. Klingt auch sehr logisch, weil Google so freundlich ist und sein Android-System unter gewissen Bedingungen verschenkt, wird Google bei der Formulierung dieser Bedingungen jedoch eingeschränkt, während andere Betriebssysteme, im Beispiel werden BlackBerry und iOS genannt, gar nicht für andere Hersteller verfügbar sind und somit auch keine Vorgaben erfüllen müssen?

Und da wäre noch die Vereinbarung, dass die Gerätehersteller bzw. Mobilfunk-Betreiber einen Anteil der Werbeerlöse erhalten, wenn nur die Google-Suche auf den Android-Geräten vorinstalliert wird. Was möchte ich dazu sagen – vielleicht, kleine Geschenke erhalten die Freundschaft? Noch einmal – niemand hindert die Hersteller daran, andere Apps und Suchmaschinen zu bevorzugten. Doch Google ist nach wie vor ein kommerzielles, gewinnorientiertes Unternehmen, das insbesondere mit Werbung Geld verdient. Insofern erscheint der Schritt, den Herstellern Anreize zu bieten, völlig logisch.

Natürlich freuen sich wieder diejenigen, die von vornherein etwas gegen große Unternehmen haben. Denn wer so groß ist wie Google, so erfolgreich und in so vielen zukunftsträchtigen, innovativen Bereichen tätig ist, der muss ja böse sein. Vor allem, wenn die heimische Industrie dem nichts entgegen zu setzen hat, so dass die Technikfeindlichkeit überwiegt, insbesondere in Deutschland. Kein Wunder, zwar nutzt inzwischen jeder Smartphones, aber so lange sich immer wieder Prominente und somit mögliche Vorbilder damit brüsten, schlecht insbesondere in Mathematik und Naturwissenschaften gewesen zu sein und nichts von Technik oder Computer zu verstehen, ist dies für ein technik- und innovationsfreundliches Klima nicht gerade förderlich. Und am Ende studieren sie dann noch BWL und werden Berufspolitiker. Ich glaube der Frau ja sogar, dass sie nicht die USA hasst. Dafür aber mindestens Google.

Nachtrag: Heute Morgen fiel mir ein weiterer Artikel ins Auge. Über den Mann, “der Google verklagte“.  Hochstilisiert zum Chuck Norris des Internet-Zeitalters. Aus der Beschreibung wird jedoch klar, worum es geht – der Mensch hasst Google: “Seit vielen Jahren tritt der Jurist als entschiedener Gegner von Google ein…”. Er fordert Regulierung, die vergleichbar mit der Telekommunikationsbranche sei. Ein gutes Beispiel. Mit ungeheuer großem mobilen Datenvolumen, was uns hierzulande von der regulierten Branche präsentiert wird. Und wenn Deutschland respektive Europa schon keine innovativen Unternehmen der Digitalbranche hervorbringt, die tatsächlich zu Global Playern werden, dann versuchen wir es einfach mit Regulierung. Und wer jetzt an Zalando oder sonstigen Samwer-Brüder-Geschöpfe denken mag – nein. Sie verkaufen. Ob Schuhe, Kleidung oder Kühlschränke wäre ihnen völlig egal. Wenn etwa Quelle den Sprung ins Digitalzeitalter überlebt hätte, würde sich das Geschäftsmodell in nichts von Zalando & Co. unterscheiden. Und man kann es wirklich nicht oft genug wiederholen – die Smartphone-Hersteller können bereits beliebige Apps vorinstallieren! Nur müssen sie dann auf gewisse Anreize von Google verzichten. Dafür müssen sie immerhin kein neues Smartphone-Betriebssystem entwickeln.

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Kategorien: Politik Technologie